Ganztagsgrundschule an der Andernacherstr. (011)
Zentrum für unterstützende Pädagogik
1. Beschreibung der Zusammensetzung der Schülerschaft:
- Unsere Schule liegt im Ortsteil Tenever, einem in den letzten Jahren sanierten
und rückgebauten Hochhausquartier aus den 1970er Jahren. Tenever hat mit
Abstand den niedrigsten Sozialindex in Bremen, es ist der kinderreichste
Stadtteil Bremens. Ein überwiegender Anteil an Familien aus Ländern der
ganzen Welt charakterisiert die Situation der hier lebenden Menschen. Ein
dichtes Netz sozialer Institutionen und deren über Bremen hinaus bekannte
beispielhafte Vernetzung, können viele Probleme des Stadtteils ausgleichen.
Die Vielfalt in der Bewohnerschaft spiegelt sich in der Zusammensetzung der
Schulklassen wieder. Viele verschiedene Kulturen und Religionen mit
unterschiedlichen Vorstellungen und Zielen von Familie und Erziehung
kommen hier zusammen. Viele Familien haben massive Probleme auf Grund
von Arbeitslosigkeit oder Armut. Die Kinder leiden am meisten darunter. Viele
haben eine wechselhafte Entwicklungsgeschichte mit vielen Brüchen und
auch traumatischen Erlebnissen hinter sich und müssen von Grund auf lernen,
sich angemessen sozial zu verhalten. Armut ist das Hauptproblem in diesem
Stadtteil.
Besonderer Unterstützungsbedarf im Schuljahr 2011/2012:
- Gesamtschülerzahl: ca. 240 Kinder.
- Bereich Lernen, Sprache und Verhalten:
Klasse 2 - 4: 36 Kinder, davon 5 Kinder mit Bildungsgang L in Klasse 4
Klasse 1: ca. 16 Kinder mit erhöhtem Unterstützungsbedarf.
- Integrative heilpädagogische Tageserziehung (IHTE): 10 Kinder
- LRS Kurs: 6 Kinder
- Leseintensivmaßnahme: 6 Kinder
- Migrantenkurs: 6 Kinder
2. Ressourcen für das ZUP (2011/2012)
- 4 Sonderpädagoginnen (LSV) mit insgesamt 64 Wochenstunden (eine
Kollegin mit 12 Stunden ist langzeiterkrankt)
- 4 Mitarbeiterinnen von petri&eichen Diakonische Kinder- und Jugendhilfe Bremen gGmbH (IHTE)
- 1 Schulsozialarbeiterin vom ASB (seit April 2012)
- 1 ZUP Leitung
Folgende Räumlichkeiten stehen zur Verfügung:
- Alle Klassenräume verfügen über einen angegliederten Nebenraum
- Räume für besondere Angebote (Turnhalle, Pausenhalle, Werkraum,
Kunstatelier, Leseclub, Theaterraum, Musikraum, Computerraum,
Ruheraum/Raum für Gesellschaftsspiele, Wunderland/Psychomotorikraum).
- Mensa
- Großes anregungsreich gestaltetes Schulgelände, mit einem Mini-
Fußballspielfeld des DFB.
3. Grundsätze der Unterstützung
Unsere Arbeit in der Schule unterliegt dem Leitziel: „Wertschätzung und Respekt“.
Kinder in der Grundschule lernen vor allem über Beziehungen. Kontinuierliche,
verlässliche Bezugspersonen steuern den Entwicklungsprozess der Kinder. Die
Kinder genießen Vertrauen und es gibt innerhalb der Schulstrukturen Freiräume für
die Entwicklung der Selbständigkeit.
Ein multiprofessionelles Team ist für die individuelle Entwicklung jedes Kindes einer
Lerngruppe für die gesamte Grundschulzeit verantwortlich.
Das Team gestaltet die Lern- und Arbeitszeit einer Lerngruppe über den ganzen Tag,
differenzierte Lernangebote werden geplant und umgesetzt.
Lernen in der Ganztagsschule umfasst alle Bereiche und Tätigkeiten unter dem
Motto „Lernen den ganzen Tag“. Dabei sind alle Bereiche wie Unterricht, Freizeit,
Mittagessen etc. gleichberechtigt.
Wir verstehen Förderung prozesshaft als unterstützende Begleitung der Entwicklung
aller Schulkinder. Es liegt daher nahe, grundsätzlich nicht Unterricht und Förderung
als unterschiedliche Aufgaben zu sehen. Dabei berücksichtigen wir die unterschiedlichen
sozio-kulturellen, religiösen, familiären und sprachlichen
Voraussetzungen in der Entwicklung unserer Schulkinder. Es ist unsere Aufgabe, alle
Kinder und ihre Familien in ihrer Entwicklung zu begleiten und zu unterstützen.
Der Schwerpunkt der Arbeit in unserer Schule liegt nicht mehr nur auf der Arbeit in
den einzelnen Schulfächern, sondern auch auf der Entwicklungsarbeit mit Kindern
als Vorraussetzung für erfolgreiches Lernen. Einem ganzheitlichen Menschenbild
folgend begleiten wir unsere Schüler nicht bloß im engeren schulischen
Leistungsbereich. Motorik, Sprache, Spielen, Kommunikation, Arbeits- und
Sozialverhalten sowie die kognitiven Leistungen in allen Schulfächern bilden für uns
eine Einheit.
4. Umsetzung der Grundsätze:
- Alle Kinder werden integrativ in ihren Klassen unterstützt.
- Sonderpädagoginnen und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von St. Petri sind 2
bis 3 Klassen zugeordnet und arbeiten in einem Klassenteam mit einer
Klassenlehrerin und einer pädagogischen Fachkraft zusammen.
- Der Schwerpunkt der Unterstützungsmaßnahmen liegt in der Regel in den
Klassen 1 bis 3, im 4. Jahrgang wird eher eine Beratungsfunktion
übernommen.
- Die Unterstützung findet immer in Absprache mit dem Klassen- und
Jahrgangsteam statt.
- Eltern werden dahingehend beraten, einen Antrag auf unterstützende
Pädagogik zu stellen und zur Mitarbeit und Kooperation verpflichtet. Eltern
werden über Unterstützungsmaßnahmen informiert und einbezogen,
Auch hier ist die Devise: Vorhandene Stärken aufnehmen und Eigeninitiative
entwickeln helfen. In regelmäßigen Entwicklungsplangesprächen werden mit
den Eltern und den Kindern verbindliche Ziel- und Aufgabenvereinbarungen
getroffen.
- Wöchentliche Sitzung des ZUP-Teams ( Schulleitung, ZUP-Leitung, alle
Förderkräfte, Schulsozialarbeiterin) zur Planung und Absprache von
Unterstützungsmaßnahmen. Koordination der Aufgaben und Hilfemaßnahmen.
- Schulsozialarbeit: Beratung für Kinder, Eltern und Kollegen, Unterstützung
einzelner Kinder in Krisensituationen.
- Handlungsleitfaden bei Verdacht auf Kindswohlgefährdung.
- Handlungsleitfaden zum Verfahren und zur Dokumentation bei besonderem
Unterstützungsbedarf.
5. Zusammenarbeit mit außerschulischen Einrichtungen:
St. Petri Kinder- und Jugendhilfe
Die Mitarbeiteinnen und Mitarbeiter von St. Petri geben zusätzliche Hilfen im sozialemotionalen
und kognitiven Bereich. Die Palette reicht von Hilfen im Rahmen der
Klasse, um Arbeitsverhalten oder auch die Fähigkeiten in den Fächern Mathematik
oder Deutsch zu verbessern über Sozialkompetenztraining oder therapeutisches
Reiten bis zu Angeboten aus dem Bereich Erlebnispädagogik: wie Kanu oder
Schlittschuhfahren. Die IHTE Kolleginnen stehen in engem Kontakt mit den Familien
und begleiten und beraten sie in ihrer Entwicklung.
Amt für Soziale Dienste, Gesundheitsamt, ReBuZ
Monatliche Treffen der Unterstützungskollegen und –kolleginnen, Casemanagern
des A.f.s.D., der Schulärztin und des ReBuz (derzeit nicht realisierbar) im
sogenannten Fördergremium. Hier findet die Unterstützungsplanung für Kinder und
ihre Familien statt. Die enge und vertrauensvolle Abstimmung steigert die Effizienz
der Maßnahmen und hat erhebliche präventive Wirkungen.
KITAS der Region
Um den Kindern den Übergang KITA – Schule zu erleichtern, finden nach einer
festgelegten Organisationsstruktur Hospiationen der Kinder in der Schule,
Hospitationen der Unterstützungskräfte in den KiTas, Austausch mit den KiTa-
Mitarbeiterinnen, statt. In den KITAS bietet die Schule Informationselternabende für
die Eltern der zukünftigen Schulanfänger an. Zur Klassenzusammensetzung der
Schulanfänger finden Übergabekonferenzen mit KITA-Mitarbeiterinnen und der
Schulärztin statt.
6. Überprüfung und Bewertung der Grundsätze:
- Steuergruppe zur Gründung des ZUP und zur Evaluation
- Dokumentation der Entwicklungsbegleitung und Unterstützungsarbeit („ZUPKlassenordner“)
- Festgelegter Rhythmus für die Entwicklungsplangespräche (festgelegt im
Handlungsleitfaden)
- Austausch mit den ZUP - Leitungen der Nachbargrundschulen (monatlich)
- Austausch der Schulsozalarbeiter- und arbeiterinnen im Bezirk (monatlich)
7. Fortbildung:
- SchiLF zum Thema Entwicklungssterne, Entwicklung eines dialogischen
Verfahrens der Schülerbewertung (2010)
- Übergangsgestaltung im Stadtteil Osterholz (November 2010)
- Sprachförderung im Mathematikunterricht (November 2011)
- Fachtag zum Thema Kindswohlgefährdung ( 7.12.2011)
- Lernszenarien zur Sprachförderung, Petra Hölscher (Februar 2011)
- Hochbegabtenförderung (Februar und Mai 2012)
- Spezielle Fortbildungen am LIS für ZUP-Kolleginnen (2011/2012)
- Fortbildungen über St. Petri (2011/2012)
- Sprachheilkongress (September 2012)
- Mitglied im Schulverbund „Blick über den Zaun“ (AK9)
- SchiLF zum Thema „Elterngespräche auf Augenhöhe)
8. Ergänzungen / Anlagen
- Lernkonzept der Schule
- Leitfaden zur Unterstützungsplanung
Bremen, den 31.5.2012